Künstler - Zauberer

IM GESPRÄCH mit "Tricky Hands"

 
wir setzen heute unsere Reihe mit dem Zauber-Künstler
Markus Neuhäusler, alias "Tricky Hands" fort.


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Unsere erste Frage.
Wann und wie haben Sie Ihre Künstlerlaufbahn begonnen?


"Zieh doch mal eine Karte",

das waren die magischen Worte, die sozusagen den Beginn meiner
großen Faszination für die Zauberei auslösten.

„Die erste Karte", die ich damals zog, war das " Pik As " und
obwohl ich es daraufhin selbst ins Kartenspiel gesteckt und kräftig
gemischt hatte, hat sie der Zauberer mit Hilfe meiner Lieblingszahl aus
seiner Hosentasche gezogen!!!
DAS WOLLTE ICH AUCH KÖNNEN!!!
Das sich aus dieser Faszination zuerst eine Leidenschaft und später
sogar mein Beruf werden würde, halte ich rückblickend ebenfalls
für unglaublich.

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Können Sie von der Zauberei leben, oder sollte man noch einen anderen
Beruf haben, der parallel läuft?


Vor mehr als zehn Jahren habe ich begonnen, mich intensiv mit der Zauberei
zu beschäftigen.

Eigentlich bin ich gelernter Tontechniker (um genau zu sein:
Mediengestalter Bild und Ton) und komme ich aus dem Theaterbereich.

Dort habe ich viele Jahre als Tontechniker gearbeitet und war zuletzt beim
Staatstheater in Kassel im Schauspielhaus engagiert.

Die Zauberkunst war zu diesem Zeitpunkt bereits meine Leidenschaft, die
sich aber mehr ins Private beschränkte.

Allerdings vertrieb ich zu diesem Zeitpunkt schon bei zahlreichen
Zauberhändlern in Deutschland und in der Schweiz eigene Lehr-DVD`s z.B.
„Das kleine Kartenseminar Vol.1", welches für Anfänger und Fortgeschrittene
und den zu diesem Zeitpunkt nicht vorhandenen Markt als günstige
Einstiegsmaterie gedacht war.

Da ich selbst als Jugendlicher erfahren hatte, wie teuer Zauberartikel
sind, hatte ich 2004 die Idee, eine DVD speziell auf die Bedürfnisse und
finanziellen Möglichkeiten von Anfängern zu produzieren, was meiner
Erfahrung nach häufig Schüler mit sehr beschränkten finanziellen Mitteln
waren.

Außerdem sollten die Kunststücke stark in der Wirkung und leicht
erlernbar sein, sodass schnell „gezaubert & verblüfft" werden konnte
- und da bot sich die Zauberei mit Spielkarten an, die mich seit meinem
ersten Trick fasziniert hat.


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Haben Sie noch einen Nebenberuf?

Da ich zum damaligen Zeitpunkt hauptberuflich als Tontechniker arbeitete,
waren eigentlich der Vertrieb meiner Produkte sowie kleinere Engagements
der Nebenberuf.
Durch meine Berufsausbildung als Mediengestalter verfüge ich über das
nötige Know-how, was Konzeption, Lichtsetzung, Kamera, Schnitt und
Postproduktion angeht, sodass es daher sehr kostengünstig ist, eine DVD
bis zum fertigen Produkt selbst zu produzieren.
Mittlerweile habe ich das große Glück, von der Zauberei leben zu können
und so kann ich mich voll und ganz mit der Zauberei beschäftigen!
In der Woche arbeite ich im Nachmittagsbereich an verschiedenen Schulen als
Zauber-Lehrer.
Am Wochenende habe ich Engagement als Stand- und Close-Up-Zauberer.

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Was lieben Sie am meisten an der Zauberei und an den Engagements?


Auch nach all den Jahren, in denen ich als Zauberkünstler auftrete, ist es
immer noch derselbe Grund, warum ich meinen Beruf so liebe:

Leuchtende Augen und offene Münder bei Jung und Alt sind das schönste Lob
und geben mir das Gefühl, den Leuten einen unvergesslichen magischen
Moment geschenkt zu haben, den sie hoffentlich für den Rest Ihres
Lebens in Erinnerung haben werden.

Diese Faszination und die Freude daran, Menschen jeder Altersgruppe mit
dieser wunderbaren Kunst zu verzaubern und zu unterhalten (und einen
Einstieg in die Welt des Erstaunens zu ermöglichen), ist mein ganz
persönlicher Antrieb!!!

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Schnell ein ganz schönes und ein nicht so schönes Ereignis im
Zaubererleben


das ist echt schwierig zu beantworten. es gibt ja
mittlerweile so viele schöne Erlebnisse, die mir da in den Sinn kommen
.... und es kommen täglich Neue ;

...allerdings erinnere ich mich an einen Auftritt auf einem
Kindergeburtstag, bei dem etwa zehn Mädchen im Alter von 4 bis 5 waren.
Ein Mädchen, sie hieß Emma, war allerdings gerade 3 Jahre alt und hat zum
ersten Mal einen Zauberer gesehen. Außerdem war es, wie ich nachher
erfuhr, Ihre „erste Party ohne Mama" :-)

Die anderen hatten schon mal einen Zauberer im Kindergarten zu Besuch und
machten deshalb tüchtig mit. Während die Anderen also johlten und
klatschten, saß Emma sehr schüchtern und irritiert in der letzten Reihe
des Wohnzimmers und schien von den kreischenden Mädels und der Zauberei
schlichtweg überfordert zu sein. Nach der Show gab es für alle Kinder
Pommes und Würstchen und die Party ging weiter, nur Emma ging ins
Kinderzimmer in die Puppenecke und saß sichtbar erschöpft auf dem Boden.
Also hab ich mich zu Ihr gekniet und sie vorsichtig angesprochen und
gefragt, ob sie denn keinen Hunger habe.Da sie sichtlich in Ehrfurcht vor
dem „Zauberer" erstarrte, habe ich das Eis gebrochen, indem ich sie
auf Ihre Puppe ansprach. Als die Kleine dann merkte, dass alles in
Ordnung war und ich ihrer Puppe erstmal ein "Baby-Fläschchen in der
Fisherprice-Küche gekocht" habe, taute Emma sichtlich auf und lächelte
mich an und wir haben dann zusammen die Puppe gefüttert.
Ich hab sie dann gefragt, ob es ihr vorhin zu laut war und sie sagte ja.


Als ich sie dann fragte, ob ich ihr einen Trick zeigen soll, der nur für
sie ist, nickte sie ganz aufgeregt.

Also habe ich zwei kleine Schwammbälle erscheinen lassen und ihr davon
einen vorsichtig in ihre Hand gelegt. Anschließend habe ich meinen zu
ihrem Ball mit Hilfe "meiner Zauberpuste" in die Hand wandern lassen...


...sie guckte mich mit RIIIIIESIGEN Augen an, lächelte und krabbelte
schneller als ich bis drei zählen konnte, auf meinen Schoß, nahm mich in
den Arm und ... schlief sekundig ein :-)

Einen rührenderen, magischeren und ehrlicheren Moment kann ich mir nicht
vorstellen!!!

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Ein wirklich zauberhafter Moment.
Was hat Sie bewogen, Zauberlehrer zu werden?


Sicherlich spielte zum damaligen Zeitpunkt der finanzielle Aspekt eine
wichtige Rolle, denn wie Sie wissen, unterliegt jede freiberufliche
Tätigkeit gewissen sesonialen Schwankungen. So gibt es Monate, in denen
die Auftrittslage sehr gut ist und solche, in denen es schlechter läuft.
Durch meine Zusammenarbeit mit diversen Schulen gibt es ein
„ „regelmäßiges" Einkommen, mit dem ich fest rechnen und kalkulieren
kann.

Der andere Grund liegt allerdings in meiner Liebe zur Zauberei. Ich liebe,
was ich tue und es macht mir großen Spaß, die Liebe zu teilen. Ich
glaube, dass jeder Mensch von Natur aus von der Zauberei begeistert ist, manche
von uns vielleicht auch nur in der ersten Phase des Lebens.

Der Wunsch, sich zu erfreuen und eine gewisse Kindlichkeit nicht zu
verlieren, ist für mich persönlich ein Katalysator, der mein Leben
bestimmt - und offenbar verbindet das viele meiner Zauberkollegen und
andere Künstler, die den Spaß am Spiel(en) auch als Erwachsener noch
spüren - UND auch noch nachgehen!!!
So habe ich festgestellt, dass viele meiner Schüler sich scheuen, sich von
alleine auf die Reise in die „Zauberwelt" zu begeben, sei es, weil
sie nicht wissen, ob man so etwas tatsächlich lernen kann oder aber wie
und wo sie etwas darüber erfahren können.
Bei mir haben sie die Möglichkeit, einen Einstieg und einen Einblick in
die Zauberei zu bekommen und einen Perspektivwechsel zu bekommen, der weit
mehr für jeden einzelnen bringt, als "nur ein paar Tricks zu lernen". Ich
bin überzeugt davon, dass gerade junge Anfänger viel, viel mehr lernen,
wenn sie sich mit der Zauberei beschäftigen -
Koordination, Strukturierung und Kommunikation fallen mir dazu sofort
ein ...


ZAUBERER.DE:

Wo finden Ihre Kurse statt, und wie lange geht so was bei
Ihnen?


Die Kurse finden in den Gebäuden der Schulen statt, kurzum: in den
Klassenräumen.
Meistens laufen die Kurse für ein halbes Schuljahr und finden einmal die
Woche für 90Min. statt. Andere Kurse finden in Kunstschulen oder
städtischen Einrichtungen statt. Ich habe aber auch Schüler / Erwachsene,
die ich zu Hause besuche und da wird auch schonmal in der Küche
trainiert...


ZAUBERER.DE

Welche Fächer werden unterrichtet?


In den Kursen an den Schulen geht es nach einer kleinen Einführung, in
denen ich die 7 Grundeffekte in einer kleinen Vorführung zu einer
Geschichte über "Was ist eigentlich Zauberkunst?" demonstriere, um
einfache Close-Up Kunststücke mit Seilen, Bällen, Münzen und
Spielkarten.
Mein erstes Ziel ist es, direkt zu Beginn ein Klima zu schaffen,
dass jedem Teilnehmer erst einmal in der neuen Gruppe "ankommen" lässt
und gegenseitiges Vertrauen entstehen kann.
Die Schüler sollen noch einmal als UNBEDARFTER Zuschauer in`s Staunen
versetzt werden, bevor ich ihnen erzähle, dass Sie dies alles lernen
können und das es häufig tatsächlich nur um Tricks geht :-).
Sobald meiner Meinung nach ein Gruppenklima aufgebaut ist, welches den
respektvollen Umgang mitteinander sichert und ein sicheres Grundgefühl
untereinander entstehen lässt, sodass das "Zaubern und Experimentieren"
miteinander ermöglicht, werden zu den Kunststücken eigene Geschichten
erarbeitet und geübt und später vor der Gruppe präsentiert.

Durch den Vergleich mit den Mitschülern entsteht häufig eine große
Eigendynamik, was durch konstruktives Feedback durch die Mitschüler (und
mich) zu schnellen Erfolgen und tollen Ideen führt - „ „ganz
nebenbei" wird an der Präsentation (Mimik, Gestik, Sprache) gearbeitet.
Von Zeit zu Zeit schiebe ich kleine geschichtliche Blöcke über die
Zauberkunststücke ein.
Die Fachbegriffe zu den gelernten Kunststücken und Techniken sowie einen
Grundstock an Vokabeln und Terminologien halte ich ebenfalls für wichtig,
um sich „intern" besser verständigen zu können.


Zauberer.de:

Was muss ein Schüler an optimalen Voraussetzungen mitbringen?


Ganz wichtig ist für mich die Einhaltung der drei goldenen Zauberregeln,
nämlich:

1. Verrate nie deine Tricks
2. Führe jedes Kunststück nur einmal vor
und
3. üben - üben - üben...

...wobei gerade die jüngeren Teilnehmer mit Regel Nr.3 ihre liebe Not
haben * lacht*



ZAUBERER.DE

Was sind die meisten Gründe der Schüler, eine Zauberschule zu besuchen
und von wie weit kommen die Leute?


Natürlich gibt nur ganz selten jemand zu, dass er primär wissen möchte,
WIE die Tricks eigentlich funktionieren. Tatsächlich ist das bei einigen
Schülern der wahre Grund und manchmal (leider) auch die EINZIGE
Motivation. Für diese Schüler entwickelt man aber sehr schnell ein Auge -
und diese wechseln dann sehr schnell in einen anderen Kurs und nehmen daher
auch keine großen Geheimnisse mit, denn: kein neues Geheimnis ohne den
vorherigen Trick zu beherrschen - das ist der Deal. Ich fühle mich der
Kunst einfach verpflichtet und sage daher meinen Teilnehmern ganz offen zu
Beginn, dass das bewahren von Geheimnissen die Basis ist, (m)einen
Zauber-Kurs besuchen zu dürfen. Glücklicherweise wollen die meisten Schüler
tatsächlich lernen, WIE man zaubert, um andere dann verblüffen zu können, sodass
diese Regel dann doch fast immer eingehalten wird.

ZAUBERER.DE

Hat Harry Potter für mehr Zulauf gesorgt, den man messen kann ?


Schwer zu sagen...sicherlich hat er es aber geschafft, die Zauberei wieder
in den Vordergrund zu rücken und der breiten Masse wieder ins Bewusstsein
zu rufen.

Daher: "DANKE, HARRY!!!"

ZAUBERER.DE

Wie hoch ist der Frauenanteil und welches Geschlecht liegt vorne, hält
länger bzw. bis zum Ende durch?


Ich freue mich, dass immer mehr Mädchen meine Kurse besuchen. Vor zwei
Jahren hatte ich eine reine Mädchenklasse und es hat viel Spaß gemacht,
sie zu unterrichten.
Auf einem Stadtteilfest haben wir dann gemeinsam mit einigen anderen
Schülern aus anderen Kursen einen Auftritt gehabt, der ein voller Erfolg
war. Ich glaub, einige von Ihnen zaubern heute noch...


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5 Tipps an neugierige Interessenten ihrer Schule


1. Es ist nie zu spät, mit der Zauberei zu beginnen

2. Versuche herauszufinden - WAS Zauberei für DICH eigentlich bedeutet

3. Zauberei ist Kommunikation mit deinem Zuschauer und Zauberei ist das
perfekte Medium dazu

4. Ein guter Einstieg ist "Das kleine Kartenseminar Vol.1"


5. ...und vor allem: hab Spass am Lernen - denn keine Kunst hat so viele
Fassetten wie die Zauberkunst und ein Leben reicht dafür nicht aus!

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Letzte Frage:
Wenn Sie Ihre Laufbahn nochmal starten könnten, was würden
Sie anders machen ?

Da meine Laufbahn läuft und (m)ein Ende noch nicht in Sicht, weiß ich
nicht, was mir entgangen würde, würde ich neu beginnen - daher sag ich
lieber frei nach der Gruppe "ICH&ICH":


SO KANN ES SEIN SO SOLL ES BLEIBEN SO HAB ICH ES MIR
GEWÜNSCHT!!!

Lieber Markus Neuhäusler, erstmal vielen Dank , dass Sie an unserer Reihe
" Im Gespräch !" mitwirken und alles Gute für die Zukunft! 
 


Künstler: Ehrlich Entertainment GmbH & Co. KG,
Ehrlich Entertainment GbR, Bünde

Die Ehrlich Brothers - Genau richtig für einmalige Großillusionen!
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